Verantwortung

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Verantwortung

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Ver|ant|wor|tung [f…õ…źŐĮ'|antv…Ērt äŇč], die; -, -en:
Verpflichtung, eine Entscheidung, eine Verhaltensweise, eine √Ąu√üerung o. √Ą. zu verantworten:
die Verantwortung f√ľr etwas √ľbernehmen, ablehnen; du kannst es auf meine Verantwortung tun.

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Ver|aŐ£nt|wor|tung ‚Ć©f. 20; unz.‚Ć™
1. Pflicht, Bereitschaft, f√ľr seine Handlungen einzustehen, ihre Folgen zu tragen
2. Pflicht, bei der Durchf√ľhrung einer Arbeit f√ľr einen ordnungsgem√§√üen Ablauf zu sorgen
3. Rechtfertigung, Verteidigung
‚óŹ die \Verantwortung ablehnen, haben, tragen, √ľbernehmen; die \Verantwortung kann dir niemand abnehmen; er versuchte, die \Verantwortung von sich abzuw√§lzen; er wollte mir die \Verantwortung aufb√ľrden, zuschieben; jmdn. der \Verantwortung entheben; sich der \Verantwortung (durch die Flucht) entziehen; die \Verantwortung lastet schwer auf ihr; sein: die \Verantwortung ist mir zu gro√ü ‚óŹ eine schwere \Verantwortung auf sich nehmen; es ist auf meine \Verantwortung (hin) geschehen ich verantworte es; das kannst du nur auf deine eigene \Verantwortung (hin) tun das musst du selbst verantworten; die \Verantwortung f√ľr diese Ma√ünahme; ihm fehlt der Mut zur \Verantwortung; jmdn. zur \Verantwortung ziehen

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Ver|aŐ£nt|wor|tung , die; -, -en:
1.
a) [mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, daf√ľr zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen m√∂glichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige u. Richtige getan wird u. m√∂glichst kein Schaden entsteht:
eine schwere, große V.;
die Eltern haben, tragen die V. f√ľr ihre Kinder;
f√ľr jmdn., etw. die V. √ľbernehmen;
diese V. kann dir niemand abnehmen;
aus dieser V. kann dich niemand entlassen;
sich seiner V. [f√ľr etw.] bewusst sein;
ich tue es auf deine V. (du trägst dabei die Verantwortung);
in der V. stehen (Verantwortung tragen);
etw. in eigener V. (selbstst√§ndig, auf eigenes Risiko) durchf√ľhren;
b) <o. Pl.> Verpflichtung, f√ľr etw. Geschehenes einzustehen [u. sich zu verantworten]:
er tr√§gt die volle, die alleinige V. f√ľr den Unfall, f√ľr die Folgen;
sie lehnte jede V. f√ľr den Schaden ab;
eine rechtsextremistische Gruppe hat die V. f√ľr den Anschlag √ľbernommen (hat sich zu ihm bekannt);
jmdn. [f√ľr etw.] zur V. ziehen (jmdn. als Schuldige[n] [f√ľr etw.] zur Rechenschaft ziehen).
2. <o. Pl.> Verantwortungsbewusstsein, -gef√ľhl:
ein Mensch ohne jede V.

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Ver|antwortung,
 
ein im 20. Jahrhundert in das Zentrum ethischer und ethisch-politischer Diskurse, aber auch der politischen und publizistischen Rhetorik getretener Begriff zur Bezeichnung einer selbst eingegangenen und von anderen zugewiesenen moralischen Verpflichtung zur gewissenhaften Pflichten- und Folgenabw√§gung in konflikthaften Entscheidungen. ¬ĽVerantworten¬ę stammt urspr√ľnglich aus der sp√§tmittelalterlichen Gerichtssprache und bedeutet, gegen√ľber einem Richter f√ľr sein Tun Rechenschaft abzulegen, es zu begr√ľnden und zu verteidigen. Die Kategorie Verantwortung als ein Schl√ľsselbegriff der heutigen Zeit ist im Kontext der Ethik entstanden und taucht hier erst seit den 1930er-Jahren auf.
 
 Verantwortung als ethisches Problem
 
Dem Wortsinn nach bezeichnet Verantwortung eine dreistellige Relation: Jemand ist f√ľr etwas gegen√ľber einer Instanz verantwortlich. ¬ĽVerantwortung tragen¬ę hei√üt also: bereit sein oder gen√∂tigt werden, sich zu ¬Ľver-antworten¬ę, jemandem f√ľr etwas, in Bezug auf etwas zu antworten. Dementsprechend wirft die ethische Verantwortungsproblematik folgende Grundfragen auf: 1) Wer ist unter welchen Bedingungen verantwortungsf√§hig und verantwortungspflichtig? - 2) Wem ist einer verantwortlich, welche Instanz kann Rechenschaft fordern? - 3) Worauf bezieht sich die Verantwortung, was ist Gegenstand von Verantwortung?
 
1) Als im philosophischen und christlich-theologischen Sinne verantwortungsf√§hig gilt allein der individuelle Mensch als zur freien Entscheidung bef√§higte Person. Es gibt weder eine Kollektivschuld noch eine moralische Kollektivverantwortung; moralische Verantwortung kann nicht √ľbertragen oder zwischen Individuen aufgeteilt werden. Im Sinne einer Mitverantwortung kann Verantwortung jedoch gemeinsam getragen werden. Als verantwortlich gilt der Mensch nur insoweit, als er in seinem Tun frei ist, ihm also mehrere M√∂glichkeiten des Handelns von unterschiedlicher moralischer Qualit√§t offen stehen. - 2) Verantwortungsdiskurse unterscheiden sich v. a. hinsichtlich der Instanz, der gegen√ľber der Mensch verantwortlich erscheint. In der Jurisprudenz ist dies der Richter als Repr√§sentant der Rechtsgemeinschaft, in der Theologie Gott als liebender Sch√∂pfer des Menschen und der Welt. Im Horizont des modernen Autonomiedenkens bestimmt die philosophische Ethik den Menschen als in erster Linie vor sich selbst verantwortlich. Verantwortung erscheint hier als Korrelat menschlicher Freiheit und als Ergebnis einer Selbstverpflichtung des Menschen, als deren Instanz das Gewissen gilt. - 3) Was als Gegenstand von Verantwortung gelten kann, ist kontext- und situationsabh√§ngig, beruht jedoch stets auf normativen Urteilen √ľber Gut und B√∂se beziehungsweise √ľber G√ľter und √úbel. Normative Urteile sind aber nur eine notwendige, keine hinreichende Bedingung f√ľr das Entstehen von Verantwortung. Hinzutreten muss ein Zurechnungsurteil, das ein bestimmtes normativ bewertetes Ereignis (eine Handlung, einen Schaden, einen Erfolg) einer bestimmten Person kausal und in der Regel auch intentional zurechnet.
 
Unter Verantwortungsethik wird seit M. Weber ein ethischer Diskurs verstanden, der den moralischen Wert von Entscheidungen oder Handlungen an der Qualit√§t der G√ľterabw√§gung und der angemessenen Beachtung der m√∂glichen Folgen misst. Im Unterschied dazu finden in der Gesinnungsethik prim√§r die Intention des Handelnden und deren √úbereinstimmung mit allgemein verbindlichen Pflichten Beachtung. Wenn aber nur der moralische Wert der Einzelhandlung und das eigene Gewissen als Instanz der Verantwortungskontrolle anerkannt werden, verliert Verantwortung den Charakter des Rechenschaftgebens, das als ¬ĽAntwort¬ę stets nur Dritten gegen√ľber m√∂glich ist. Der philosophische Verantwortungsdiskurs hat zu begr√ľnden, warum der Mensch eine moralische Pflicht zur Selbstverpflichtung und zur Rechenschaft auch gegen√ľber Dritten hat. Hierzu liegen subjekt-philosophische (W. Schulz) und geschichtsphilosophische (G. Picht), wertethische (H. Jonas), theologische (F. B√∂ckle), prinzipienorientierte (H. Lenk), diskurstheoretische (K.-O. Apel) und tauschtheoretische (Otfried H√∂ffe) Argumentationen vor.
 
Aus juristischer und soziologischer Sicht ist Verantwortung prim√§r das Produkt von Zuschreibungen Dritter. Mit der anerkennenden Zuweisung oder kritischen Einforderung von Verantwortung wird an die moralische Bereitschaft zur Selbstverpflichtung appelliert. Ohne Selbstverpflichtung k√∂nnte es in komplexen und hoch individualisierten Gesellschaften keine verl√§sslichen Sozialbeziehungen geben. - Die meisten praktischen Ph√§nomene von Verantwortung sind sowohl Ergebnis von Selbstverpflichtung als auch von Fremdzuschreibungen. Dies ist offensichtlich bei allen Arten von Vertr√§gen und organisationsinternen Auftr√§gen (Aufgabenverantwortung) oder bei der √úbernahme von Wahl√§mtern (politische Verantwortung). Auch generelle oder nichtvertragliche spezifische Rechtspflichten (z. B. im Familienrecht) werden in der Regel im Sinne einer Selbstverpflichtung √ľbernommen.
 
 Zeitgeschichtliche Bedeutung
 
Die traditionelle Ethik ging von einem einfachen Modell menschlichen Handelns aus, dessen Reichweite bei den unmittelbaren, f√ľr jedermann einsichtigen Ergebnissen endete. Die Handlungsbedingungen moderner Gesellschaften zeichnen sich jedoch durch eine Verl√§ngerung und Vernetzung von Handlungsketten aus, d. h., die Handlung eines Einzelnen steht in einem gr√∂√üeren, arbeitsteiligen und oft folgenreichen Zusammenhang und gewinnt darin erst ihren Sinn. Die Stabilisierung solcher komplexen Zusammenh√§nge in der Neuzeit wurde m√∂glich durch 1) die Ausdifferenzierung und institutionelle Verselbstst√§ndigung der gro√üen Sinnsph√§ren von Wirtschaft, Politik, Religion, Wissenschaft und Familie; sie lassen sich als gesellschaftliche Teilsysteme mit spezifischen, f√ľr sie charakteristischen Wertorientierungen, Interaktionsstilen und Organisationsformen verstehen; 2) die Entstehung der modernen, auf tempor√§rer und nicht exklusiver Mitgliedschaft von Personen beruhenden Organisation. So werden bestimmte Handlungen eindeutig einer Sinnsph√§re zugeordnet und damit von anderen R√ľcksichten (z. B. politischer, familialer oder religi√∂ser Art) entlastet. Wenn Personen Mitglieder in wirtschaftlichen, politischen u. a. Organisationen werden, erhalten sie bestimmte Positionen oder Aufgaben, durch die ihre Rechte und Pflichten und damit auch ihre Verantwortung bestimmt und begrenzt werden. F√ľr den Einzelnen bedeutet dies, dass er in unterschiedliche Verantwortungszusammenh√§nge zugleich hineingestellt ist (z. B. als Vater, Angestellter, Politiker), wobei auch Gewissens- oder Verantwortungskonflikte bei verschiedenen, miteinander kollidierenden Pflichten entstehen k√∂nnen. Die Funktions- und Arbeitsteilung hat sich als au√üerordentlich erfolgreich erwiesen, sie wird aber mit einer Komplexit√§tssteigerung der Zusammenh√§nge erkauft, deren Problematik heute zunehmend bewusst wird.
 
W√§hrend im Horizont von Aufkl√§rung und Liberalismus der Anspruch auf Eigenverantwortung als Ausdruck personaler Autonomie gegen das herrschende paternalistische Denken in Kirche und Staat √∂ffentlich artikuliert wurde, wird in den √∂ffentlichen Diskursen heute vielfach die Verantwortung ¬Ľder anderen¬ę gefordert (z. B. im Zusammenhang mit √∂kologischen und technologischen Risiken). Bedingungen hierf√ľr sind die zunehmende Reichweite unseres Kausalwissens sowie die Vielfalt damit verbundener Zurechnungsm√∂glichkeiten einerseits und die zunehmende Wahrnehmung problematischer Nebenfolgen technischer und √∂konomischer Fortschritte andererseits. Die Verselbstst√§ndigung der Sinnsph√§ren und der Organisationen f√ľhrt dazu, dass bei Entscheidungen ihre systemexternen Effekte nur insoweit wahrgenommen werden, als sie nachtr√§glich auf das System, in dem die Entscheidungen fallen, zur√ľckwirken. Die Ausblendung der Nebenwirkungen auf andere Bereiche (z. B. des Wirtschaftswachstums auf die nat√ľrliche Umwelt oder des Fernsehens auf die kindliche Entwicklung) bildet den strukturellen Grund f√ľr den vermehrten Ruf nach Verantwortung im Sinne einer umfassenderen Folgenorientierung von Entscheidungen. Aber weil bestimmte Wirkungen h√§ufig nicht eindeutig auf bestimmte Handlungen oder Entscheidungen r√ľckf√ľhrbar sind und zudem die Instanzen fehlen, die (wie z. B. Menschenrechtsorganisationen in Bezug auf die Wahrung der Menschenrechte) Rechenschaft fordern k√∂nnen, lassen sich die drohenden Gefahren und auszutragenden Folgen der Modernisierung h√§ufig schwer als Verantwortungsprobleme behandeln. Niemand kann eine unabgegrenzte Verantwortung √ľbernehmen.
 
 Verantwortung und Verantwortlichkeit
 
Arbeitsteilung (z. B. in der Gesch√§ftsleitung eines Unternehmens oder in der Regierung) f√ľhrt zu einer Diffusion der Verantwortung. Jeder Beteiligte kann nur einen Ausschnitt der infrage stehenden Gesamtabl√§ufe √ľberblicken und ist f√ľr die Abw√§gung verschiedener Aspekte auf die Einsch√§tzung Dritter angewiesen. So gehen wissenschaftliche Entdeckungen, zum Teil vermittelt durch politische Entscheidungen, in technischer Nutzung √ľber. Wissenschaftler, Politiker und Techniker(gruppen) sind dann z. B. an der Einf√ľhrung eines Produktes beteiligt, das insbesondere bei sch√§dlichen Neben- oder Folgewirkungen vor der √Ėffentlichkeit zu verantworten ist. Aus der Sicht der von negativen Folgen Betroffenen kommt es dabei nicht auf die Absicht derjenigen an, die z. B. √ľber das neue Produkt oder Gesetz entscheiden, sondern auf die f√ľr sie erfahrbaren Wirkungen. Diese sind aber nicht von den einzelnen beteiligten Individuen, sondern vom Handlungszusammenhang als Ganzem abh√§ngig. Da nur Personen und nicht organisierte Zusammenh√§nge im ethischen Sinne verantwortlich sein k√∂nnen, bedarf das urspr√ľnglich individualethisch orientierte Konzept der Verantwortung einer Erweiterung und Differenzierung, um heute praktisch wirksam zu sein.
 
√Ąlter als in der Ethik ist das Verantwortungskonzept im Recht. Insoweit rechtliche Verantwortungszuschreibung am Erfordernis von Schuld festh√§lt, wie dies besonders f√ľr das Strafrecht charakteristisch ist, bleibt die N√§he zur ethischen Auffassung gewahrt. Bereits die zivilrechtliche Verantwortung hebt nicht auf die Schuldhaftigkeit im Einzelfall, sondern auf die Vermeidbarkeit eines Schadens am Ma√üstab eines typischen, allgemein erwarteten Falls ab. Bei der Gef√§hrdungshaftung, wie sie z. B. f√ľr Betreiber von Kraftfahrzeugen oder f√ľr die Fabrikhaftpflicht charakteristisch ist, wird schlie√ülich f√ľr die Folgen des gef√§hrlichen Betriebs an sich gehaftet, unabh√§ngig von jedem Verschulden des Betreibers.
 
Im Sinne einer Differenzierung von Verantwortungsebenen lassen sich institutionelle oder Organisationsverantwortung, F√ľhrungsverantwortung, Aufgabenverantwortung und individuelle Verantwortlichkeit unterscheiden. Da Organisationen als kooperative Akteure nicht im moralischen, sondern nur im rechtlichen Sinne schuldig werden k√∂nnen, bietet sich zur Operationalisierung der Organisationsverantwortung das Prinzip der Gef√§hrdungshaftung an, wie sie in Deutschland z. B. im Produkthaftungsgesetz vom 15. 12. 1989 rechtlich verankert ist. Die F√ľhrungsverantwortung betrifft die Ausrichtung einer Organisation auf bestimmte Ziele, die Schaffung einer internen Aufgaben- oder Verantwortungsstruktur und die Beauftragung geeigneter Personen mit diesen Aufgaben. Die F√ľhrungsverantwortung ist nicht auf die Erf√ľllung bestimmter Pflichten gerichtet, sondern auf den ¬Ľrichtigen¬ę Gebrauch von Macht im Sinne erfolgreicher Entscheidungen. Nicht nur Machtmissbrauch, sondern auch mangelnder Erfolg ist dabei ein Rechenschaftsgrund. Die Aufgabenverantwortung steht im Schnittpunkt organisatorischer und pers√∂nlicher Verantwortung. Mit der √úbernahme einer Aufgabe verpflichten sich Personen, den damit verbundenen normativen Erwartungen nach bestem Verm√∂gen zu entsprechen. Allerdings werden nur solche Aufgaben als verantwortungsvoll bezeichnet, bei denen eine blo√üe Pflichterf√ľllung nicht ausreicht, sondern Handlungs- und Ermessensspielr√§ume das eigenst√§ndige Entscheiden der Aufgabentr√§ger erforderlich machen. Eine Aufgabe gilt als umso verantwortungsvoller, je gr√∂√üer der Zust√§ndigkeitsbereich und je erheblicher die Folgen der zu treffenden Entscheidungen sind. Die Gr√∂√üe der Verantwortung ist somit von der H√∂he des Entscheidungsrisikos abh√§ngig. Mit der Zuweisung von F√ľhrungs- und Aufgabenverantwortung ist die Erwartung Dritter verbunden, dass die Verantwortungstr√§ger Entscheidungen treffen, an denen jene ein Interesse haben. Die Zuweisung von Verantwortung erteilt diesen Macht und stellt zugleich einen Akt des Vertrauens dar, der an die Annahme bestimmter pers√∂nlicher F√§higkeiten des Verantwortungstr√§gers, seine Verantwortlichkeit, gebunden ist. Zwar besitzt diese einen moralischen Kern, der sich in der Gewissenhaftigkeit der Pflichten- und G√ľterabw√§gung sowie der Zur√ľckstellung eigener Interessen √§u√üert; je komplexer die Entscheidungssituation, umso mehr gewinnt jedoch die erforderliche kognitive Kompetenz, d. h. die F√§higkeit, Vorg√§nge zu verstehen, sie zu planen, durchzuf√ľhren und zu beurteilen, an Bedeutung; schlie√ülich bedarf es zur Anerkennung von Verantwortlichkeit auch einer angemessenen kommunikativen Begr√ľndung und Rechtfertigung getroffener Entscheidungen, bei denen es in der Regel um Interessen- und G√ľterabw√§gungen geht, welche nicht alle, die davon betroffen sind, gleicherma√üen befriedigen k√∂nnen.
 
 Schuld, Haftungsverantwortung und Entscheidungsverantwortung
 
Die Ambivalenz des Rufs nach Verantwortung wird sichtbar, wenn man die Zeitstrukturen unterschiedlicher Verantwortungsbegriffe betrachtet. Die rechtliche Verantwortung bezieht sich auf vergangene Ereignisse, entweder auf Handlungen, die Rechtsnormen verletzt haben (Schuld), oder auf entstandene Sch√§den, die einem Verursacher zugerechnet werden (Haftung). Die Pflicht, sich f√ľr pflichtverletzende oder Dritte sch√§digende Handlungen zur Rechenschaft ziehen zu lassen, ist grunds√§tzlich unstrittig; strittig ist lediglich in vielen F√§llen die Zurechenbarkeit bestimmter Ereignisse auf bestimmte Handlungen oder einen bestimmten T√§ter. Verantwortung im Sinne des Eingehens von Entscheidungsrisiken, die von Entscheidungstr√§gern in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik erwartet wird, ist dagegen zukunftsbezogen. Lediglich die vorhersehbaren m√∂glichen Folgen k√∂nnen Gegenstand der Entscheidungsverantwortung sein, sie m√ľssen bewertet und gegeneinander abgewogen werden; der Erfolg der Entscheidung wird sich erst sp√§ter herausstellen.
 
Wer Verantwortung f√ľr eine Entscheidung √ľbernimmt, geht von der Annahme eines √úberwiegens der positiven Folgen aus. Wird nun versucht, durch eine Erweiterung der Rechtspflichten den Bereich der f√ľr eine Entscheidung m√∂glicherweise negativen Handlungsfolgen zu vergr√∂√üern, so muss damit gerechnet werden, dass die Bereitschaft, Entscheidungsverantwortung zu √ľbernehmen, sinkt. Die politische Ausgestaltung des Haftungsrechts steht daher stets vor der Frage, inwieweit einem Akteur die m√∂glichen negativen Folgen seiner Entscheidungen beziehungsweise Handlungen zugerechnet werden sollen, und zwar unter dem Doppelaspekt der Gerechtigkeit und der Schadensverh√ľtung einerseits und des Interesses am Zustandekommen bestimmter Entscheidungen andererseits.
 
 Bedingungen verantwortlichen Handelns
 
Zur Unterst√ľtzung wichtiger Entscheidungen √ľber Handlungsziele und Verfahrenswege etwa in Politik, Wirtschaft oder Forschung k√∂nnen Experten (z. B. Politikberatung), Ethikkommissionen wie auch Kriterien der Folgenabsch√§tzung in den Diskurs einbezogen werden. Interdisziplinarit√§t des Diskurses erm√∂glicht zudem anthropologische, psychologische und √∂kologische Erw√§gungen dar√ľber, welche R√ľckwirkungen technisch-lebensweltliche Ver√§nderungen auf Mensch und Natur haben. Da aber auch das Einbeziehen von Expertenwissen und -meinungen (u. a. weil sogar die Aussagen von Experten derselben Fachrichtung oftmals differieren) keine Gew√§hr f√ľr die Richtigkeit einer Entscheidung bietet, k√∂nnen L√∂sungen nur im gewissenhaften, von Partikularinteressen m√∂glichst befreiten Abw√§gen des F√ľr und Wider gesucht werden.
 
Zu unterscheiden ist immer auch, ob Umst√§nde ein Handeln gebieten oder vielmehr einen Verzicht auf dieses fordern. Da das moralische Gewissen des Menschen nicht in gleichem Ma√üe gewachsen ist wie seine F√§higkeit zu tun (W. Jens), erhebt sich n√§mlich die Frage, ob im Lichte dieser Einsicht der Mensch nicht schon allein deswegen f√ľr die Folgen seines Handelns verantwortlich ist, weil er nicht verzichtet, t√§tig zu werden. Konsequentes Verzichten ist allerdings in einer komplexen und dynamischen Welt nicht m√∂glich. Dies befreit die Entscheidungstr√§ger jedoch nicht davon, im Rahmen ihrer historisch gewachsenen Lebenswelt alles Zumutbare zu tun, um von ihren Entscheidungen ausgehende Gefahren zu erkennen und zu ber√ľcksichtigen.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Ethik · Fortschritt · Freiheit · Leben · Risiko · Risikogesellschaft · Schuld · Selbstverwirklichung · Sinn · Technikfolgenabschätzung · Umweltschutz
 
 
R. Wisser: V. im Wandel der Zeit (1967);
 W. Weischedel: Das Wesen der V. (31972);
 R. Spaemann: Nebenwirkungen als moral. Problem, in: R. Spaemann: Zur Kritik der polit. Utopie (1977);
¬†H. Lenk: Gewissen u. V. als Zuschreibungen, in: Ztschr. f√ľr philosoph. Forschung, Jg. 41 (1987); Verantwortlichkeit u. Recht, hg. v. E.-J. Lampe (1989);
 N. Luhmann: Soziologie des Risikos (1991);
 F.-X. Kaufmann: Der Ruf nach V. (1992);
 
V., hg. v. P. Fauser u. a. (1992);
 
Technik u. Ethik, hg. v. H. Lenk u. a. (21993);
 Walter Schulz: Philosophie in der veränderten Welt (61993);
 O. Höffe: Moral als Preis der Moderne (31995);
 H. Jonas: Das Prinzip V. (121995);
 K.-O. Apel: Diskurs u. V. (31997).

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Ver|aŐ£nt|wor|tung, die; -, -en: 1. a) [mit einer bestimmten Aufgabe, einer bestimmten Stellung verbundene] Verpflichtung, daf√ľr zu sorgen, dass (innerhalb eines bestimmten Rahmens) alles einen m√∂glichst guten Verlauf nimmt, das jeweils Notwendige u. Richtige getan wird u. m√∂glichst kein Schaden entsteht: eine schwere, gro√üe V.; Damit lastet eine neue, ungeheure V. auf den Staatsf√ľhrungen (Gruhl, Planet 340); die Eltern haben, tragen die V. f√ľr ihre Kinder; f√ľr jmdn., etw. die V. √ľbernehmen; diese V. kann dir niemand abnehmen; aus dieser V. kann dich niemand entlassen; sich seiner V. [f√ľr etw.] bewusst sein; ich tue es auf deine V. (du tr√§gst dabei die Verantwortung); in der V. stehen (Verantwortung tragen); Heimat ist der Ort, wo man in V. genommen wird (verpflichtet ist, Verantwortung zu tragen; R. v. Weizs√§cker, Deutschland 68); etw. in eigener V. (selbstst√§ndig, auf eigenes Risiko) durchf√ľhren; jede Ver√∂ffentlichung ..., die ich mit meiner V. eines Gesch√§ftsf√ľhrers der Redaktion nicht vereinbaren kann (Spiegel 20, 1983, 116); b) <o. Pl.> Verpflichtung, f√ľr etw. Geschehenes einzustehen [u. sich zu verantworten]: er tr√§gt die volle, die alleinige V. f√ľr den Unfall, f√ľr die Folgen; sie lehnte jede V. f√ľr den Schaden ab; eine rechtsextremistische Gruppe hat die V. f√ľr den Anschlag √ľbernommen (hat sich zu ihm bekannt); jmdn. [f√ľr etw.] zur V. ziehen (jmdn. als Schuldige[n] [f√ľr etw.] zur Rechenschaft ziehen). 2. <o. Pl.> Verantwortungsbewusstsein, -gef√ľhl: ein Mensch ohne jede V. 3. (veraltet, noch landsch.) Rechtfertigung: Denn die V. des H√§ndlers, er habe ... nie Barren geschmuggelt, sondern unter der Hand im Lande gekauft, ... sah sein Angestellter Lehnort anders (Basta 6, 1984, 41).

Universal-Lexikon. 2012.

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